Das Zisterzienser-Nonnenkloster

Im Jahre 1246 gründeten die Gräfin Audacia und ihr Sohn, der spätere Graf Gunzelin III. von Schwerin ein Zisterzienser-Nonnenkloster und statteten es mit 60 Hufen Land im Raum Neustadt - Wöbbelin - Grabow aus. Doch man fand zunächst keinen geeigneten Ort für den Klosterbau, bis sich im Jahre 1251 die Gelegenheit bot, die Besitzungen des Klosters gegen einen Rittersitz und elf Hufen in Zarrentin und Umgebung einzutauschen und das Kloster an den reizvollen Schaalsee zu verlegen. 1252 bestätigte Bischof Friedrich von Ratzeburg die Stiftung des Klosters und stellte es unter den Schutz der Apostel Petrus und Paulus. Im Jahre 1253 gab Papst Alexander IV. dem Kloster in einem Schutzbrief den Namen „Himmelpforte“ , der sich jedoch nicht durchsetzte und in Vergessenheit geriet. Das Nonnenkloster konnte sich im Vergleich zu anderen Klöstern des 13. und 14. Jahrhunderts an Reichtum und Macht nur bedingt messen. Immerhin nannte es 21 Dörfer und 9 Mühlen zeitweise oder ständig sein Eigen, bezog es aus weiteren Dörfern Abgaben in Geld und Naturalien und war es mit verschiedenen Privilegien ausgestattet.

Das Kloster war den Töchtern der mecklenburgischen Fürsten und des Adels, sowie Lübecker Patrizierfamilien vorbehalten. Eine namhafte Äbtissin des Klosters war die Prinzessin Margarete von Dänemark, die 1282 als Nonne in das Kloster eintrat. Für die Verdienste des Klosters sprechen die klostereigenen Mühlen, die Klosterbrauerei, die Anlage von Küchen- und Obst-Gärten, sowie sein Wirken als Bildungs- und Erziehungsstätte. Ursprünglich bildete die Klosteranlage zusammen mit der Kirche ein geschlossenes Rechteck mit einem vierseitigen Kreuzgang um den Innenhof. Hier befand sich der Nonnenfriedhof. 1552 erfolgte die Auflösung des Klosters auf Befehl des Herzogs Johann Albrecht I. von Mecklenburg. Die Gebäude des Süd- und Westflügels wurden bereits 1576 als baufällig geschildert und bald danach abgerissen. Erhalten blieb bis heute der Ostflügel. Sehenswert sind die erhaltenen Kreuzrippengewölbe mit z.T. kunstvoll gestalteten Schlusssteinen und Konsolen. Von den ursprünglichen Räumen sind der Kreuzgang und das Refektorium im Erdgeschoss und der nachträglich eingebaute Barocksaal im Obergeschoss besonders eindrucksvoll.

Nach der Reformation diente das Kloster verschiedenen Zwecken. Es diente als Amtsbrauerei und –brennerei, als Sitz der Amtsverwaltung und des Amtsgerichtes, in seinem Südteil als Hengstdepot und Jugendherberge, letztlich zu Wohnungen und für kommunale Einrichtungen wie Kindergarten, Jugendklub, Stadtbibliothek und Heimatstube.


Geschichte der Sanierung

Als 1995 eine Initiativgruppe gegen den Verkauf des Zarrentiner Klosters 3000 Unterschriften sammelte, hatten wohl die wenigsten Unterzeichner eine genaue Vorstellung davon, was die Sanierung an Zeit, Mühe und vor allem Geld kosten würde. Bereits 1991 hatte sich ein Bauverein zur Sanierung des Klosters gegründet, wenig später konnte mit Mitteln der Denkmalpflege das Dach saniert werden. Dann wurde es ruhig um das alte Gemäuer, bis 1999 im Rahmen einer ABM-Maßnahme erste Freilegungen begannen. Neuzeitliche Einbauten wurden entfernt und Aufschüttungen von bis zu einem Meter im Erdgeschoss des Gebäudes waren abzutragen.

Stück für Stück wurde die ursprüngliche Raumstruktur wieder erkennbar und ließ den Betrachter die einstige Schönheit und Bedeutung ahnen. Dieses beeindruckte nicht nur die Bauleute und Mitglieder des Bauvereins. Gemeinsam mit ihrem treuhänderischen Sanierungsträger, der BIG Städtebau M-V GmbH, gelang es der Stadt Zarrentin, sowohl das Kultusministerium als auch das Bauministerium für das Projekt zu begeistern. Beide Ministerien stellten zu den Eigenmitteln der Stadt Zarrentin Fördermittel in beträchtlicher Höhe zur Verfügung, so dass im Jahr 2003 das passierte, woran 1995 nur unverbesserliche Optimisten glaubten: Die Sanierungsarbeiten begannen.

Nun wurden noch verbliebene Aufschüttungen entfernt, archäologische Funde dokumentiert und gesichert. Parallel dazu wurde die Ostfassade eingerüstet, um hier mit der Mauerwerkssanierung beginnen zu können. Beim Gang auf die Rüstung wurde deutlich, mit welcher Sorgfalt und handwerklichem Können vor mehr als 700 Jahren dieses Bauwerk errichtet wurde, zahlreiche Formsteine und Details zeugen von der Bedeutung, die die Erbauer ihm zudachten. Aber nicht alles hatte die Jahrhunderte schadlos überstanden. Zahlreiche Ziegel waren auszuwechseln. Und hier zeigten sich die Grenzen der modernen Bauwirtschaft. Was sich vor Jahrhunderten einfach durch das vorhandene Material und die Brenntechnologie ergab, ist heute nur schwer nachzuempfinden. Erst nach mehreren Bemusterungen zeigten sich die Architekten und Denkmalpfleger zufrieden mit Ziegeln, Glasuren und Fugenmaterialien, die sich möglichst unauffällig in das Mauerwerksbild einfügen sollten.

Ein weiteres Problem wurde durch die Statiker aufgezeigt. Obwohl durch Stahlkonstruktionen im Dachgeschoss die statischen Verhältnisse entscheidend verbessert werden konnten, gestaltete sich die Sanierung der Fundamente äußerst schwierig. Als im Kreuzgang bei Sondagen ein komplettes Skelett freigelegt wurde und die Bauarchäologen weitere Grabstätten vermuteten, entschloss man sich zur Änderung der Technologie. Der „älteste bekannte Einwohner Zarrentins“ erhielt kurzerhand den Namen „Zarrentino“ und wurde in seiner letzten Ruhrstätte belassen.

Gleichzeitig wurden die Gewölbekappen im Obergeschoss von Unrat und Bauschutt beräumt. Was in der Lage war, über Jahrhunderte die Räume des Erdgeschosses zu überspannen, zeigte sich bei näherer Betrachtung als stark sanierungsbedürftig. Der Statiker wies an, jede einzelne Kreuzrippe zu sichern, später mußten auch zahlreiche Busungen erneuert werden. Große Probleme bereitete auch der im 18. Jahrhundert nachträglich eingebaute Barocksaal. Er war nicht nur in sich gefährdet, sondern hatte auch die darunter befindlichen Gewölbe des Kapitelsaales geschädigt. Auch hier schufen Stahlkonstruktionen Abhilfe.

Zwischenzeitlich war auch die Westfassade eingerüstet, die mit Abstand schäbigste Seite des Gebäudes. Hier war im 20. Jahrhundert ein dünner Zementputz aufgebracht worden. Ihn konnte man nicht entfernen, ohne den Stein zu beschädigen. Nach mehreren Beprobungen und Bemusterungen entschloss man sich, zunächst den historischen Bestand an Ziegeln zu sichern und stark geschädigte Ziegel auszutauschen. Dann wurden die verbliebenen Schlämmputzanteile lasiert. So wurde das historische Mauerwerk wieder erlebbar. Die Architekten hatten sich entschlossen, die ursprüngliche Haupttreppe ins Obergeschoss wieder zu nutzen. Vorerst wurde hier eine provisorische Bautreppe eingebaut. Dann konnte die im Kreuzgang befindliche Treppe demontiert werden - ein wichtiger Schritt, dem Kloster seine ursprüngliche Gestalt zurück zu geben. Ein weiterer Schritt war die Wiederherstellung der bauzeitlichen Fensteröffnungen im Erdgeschoss. Nach und nach gab das Gebäude einige seiner Geheimnisse preis. Formsteine wurden freigelegt, Farbfassungen entdeckt, Putzreste gefunden. Restaurator und Bauforscher untersuchten fast quadratzentimeterweise, hinter ihnen drängten die Handwerker. Parallel dazu beschäftigten sich die Architekten mit dem zukünftigen Aussehen des Bauwerkes. Anlaß zur Diskussion gaben insbesondere die Fenster im Obergeschoss. Besonders am Nordgiebel entzündeten sich die Gemüter. Letztendlich einigte man sich, die nachgewiesene barocke Fassung wieder zu zeigen. Die Herstellung der Holzfenster war wieder eine Herausforderung an die Handwerker- wie in jedem Gewerk am Kloster wurden nur ausgewählte, erfahrene Fachfirmen in den Wettbewerb einbezogen. Schwieriger noch als die Holzfenster waren die großen Stahlfenster im Erdgeschoss herzustellen. Für jedes wurde eine Schablone gefertigt, um möglichst genau den vorgegebenen Öffnungen zu folgen. Der Statiker legte fest, in welcher Reihenfolge und in welchem Umfang jedes einzelne Gewölbe zu sanieren war. Lehrbögen wurden hergestellt, Putzreste behutsam entfernt und Steine ausgewechselt. Ganz nebenbei wurden die ersten Installationen vorbereitet, schließlich kann das Alte nur erhalten werden, wenn es auch in der Gegenwart und Zukunft sinnvoll genutzt wird. Große Kopfschmerzen bereitete den Architekten die Haupttreppe ins Obergeschoss. Was vor 700 Jahren ohne DIN und EU-Norm gut funktionierte, darf heute nicht mehr sein. Erst zweieinhalb Jahre später, als das Tonnengewölbe saniert war , zeigte sich, dass mit viel Geschick des Architekten und der Handwerker doch alles passte. Mit fortschreitender Sanierung weitete sich ein Problem immer mehr aus. Im Erdgeschoss sind besonders im Refektorium und im Foyer starke Versottungen an Wänden und Gewölben zu verzeichnen. Reinigungsversuche brachten nur Teilerfolge, der Gesamteindruck der Räume litt stark. Später entschloss man sich, wenigstens die Gewölbe des Refektoriums zu putzen, ebenso die südliche Wand.

Die Arbeiten an den Fassaden gingen zügig voran, die Gerüste konnten wieder abgebaut werden. Einzig die Nordfassade bereitete nach wie vor Schwierigkeiten. Die Bauleitung wies umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen an, da die Nordostecke des Gebäudes extrem gefährdet war. Auch die Konsolen und Gewölbeanfänger im Inneren zeigten bei den Arbeiten an den Gewölberippen ihre Schwachstellen, alle mußten stabilisiert , einige rekonstruiert werden.

Im Obergeschoss begannen schon die Ausbauarbeiten. Im Erdgeschoss dagegen gewannen Bauforscher und Restaurator fast täglich neue Erkenntnisse und auch für die Bauleitung hielt das alte Gemäuer nach wie vor Überraschungen bereit. Bei den Freilegungsarbeiten zu Beginn waren im Refektorium Reste des originalen Fußbodens aus halbglasierten Handformziegeln gefunden worden. Die gesicherten Reste des Fußbodens fanden einen neuen Platz im Refektorium. Ansonsten wurde der Fußboden mit einem neuen Ziegelbelag versehen, dem historischen Vorbild nachempfunden. Was folgte, waren Bemusterungen. Wieder stellte die Handwerkskunst von damals eine echte Herausforderung für die Ziegelhersteller dar. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mindestens genauso schwierig war die Installation der Ver- und Entsorgungsleitungen im Erdgeschoss. Was im Neubau mehr oder weniger geschickt in den Böden und Wänden verschwindet, mußte hier möglichst unauffällig montiert werden, ohne die historische Bausubstanz zu schädigen oder zu verunstalten. Die Außenfassaden gewannen durch den Einbau der großen Türelemente mehr und mehr an Gestalt, auch im Inneren waren die ersten Türelemente montiert. Im Kreuzgang wurde der nördliche Teil der innenliegenden Wand verputzt, nach Süden hin auslaufend. Das soll verdeutlichen, daß zur Erbauungszeit das Gebäude von Norden nach Süden hin immer weniger fertiggestellt worden war, so sind z.B. im südlichen Teil auch die Konsolen und Gewölbeanfänger nicht mehr vollständig ausgeformt. Die Vermutung lag nahe, das den Bauherren damals das Geld ausgegangen war.

Im Obergeschoss konnte im Juli 2006 die Amtsverwaltung ihre neuen Räume beziehen, während man im Erdgeschoss noch fleißig am Werk war. Fußbodenziegel wurden verlegt, letzte Stahlelemente eingebaut und Lampen montiert. Parallel dazu wurde die zukünftige Ausstellung vorbereitet und die Arbeiten an den Außenanlagen begannen. Das Straßenniveau war an das Fußbodenniveau anzugleichen, um so das Gebäude in seiner ganzen Größe erlebbar zu machen. Das hatte Konsequenzen für die benachbarten Gebäude wie die Kirche und das Heimatmuseum. Mit einem Belag aus Muschelkalkplatten wurde der Verlauf des ehemaligen Südflügels aufgezeigt, belegt durch archäologische Funde. In Rekordzeit wurden die Flächen um das Kloster hergerichtet.

Am 24. August wurde das Kloster Zarrentin im Rahmen eines Festaktes seiner neuen Bestimmung übergeben. Unser Dank gilt allen, die von der ersten Unterschrift bis zum letzten Besenschwung ihren Beitrag dazu geleistet haben!